12. türchen – zeit verschenken

Heute geht es um Zeit, Zeit die wir uns für andere nehmen und uns selber damit reich beschenken.Also, 10 (oder 15, ganz vielleicht auch 20) Minuten wildes Getippsel zur Zeit und eine Aufzählung über die Möglichkeiten Zeit zu verschenken, die wir alle schon kennen doch immer wieder vergessen…

Zeit:

Jeder will se, keiner hat se… schon gar nicht in der Weihnachtszeit. Und wenn man doch mal welche hat, ist man am End total überfordert und weiß auch nichts damit anzufangen. Skurril. Kindern und Jugendlichen rät der Erwachsene ja gerne die Zeit zu genießen, in der man selbige noch in rauhen Mengen zur Verfügung hat. Und es ist ja auch super cool, aber wie alles andere auch halt erst wenn man es nicht mehr hat, wodurch solcherlei Ratschläge etwa so sinnvoll wie die Empfehlung an Schwangere, doch die Zeit zum Schlafen zu nutzen, weil sie das ja bald nicht mehr können. Aber Schwangere haben keine Lust den ganzen Tag vorzuschlafen und Kinder haben keine Lust für irgendwas dankbar zu sein, dass sie sowieso haben und Pubertiere wollen die Zeit nur für sich haben und sind voll genervt von jeglichen Verpflichtungen, wissen aber doch irgendwie nix mit der Zeit, die sie dann haben anzufangen. Deshalb wurde Netflix erfunden. So unähnlich sind wir ihnen nicht, denn oft haben wir verlernt die Zeit mit genussvollem Müßiggang, aus dem Fenster schauen oder der Entdeckung neuer Gegenstände und Gesetzmäßigkeiten zu “vergeuden”. Deshalb brauchen wir den Stress, da hat man wenigstens immer was zu tun. Und wenn da mal kurz nix ist, füllen wir schnell unsere Todo-Liste, um die gewonnene Zeit möglichst produktiv zu nutzen. Und wenn wir dann mal nichts erledigen können oder wollen, dann bleibt eigentlich nur noch die Glotze um mal abzuschalten von dieser Welt und unserem Leben und vor allem uns selber. Doch beides, Erledigen und sich vom Leben ablenken, sind keine Dinge, von denen wir uns auf unserem Sterbebett grämen werden, weil wir unser Leben viel zu wenig damit gefüllt haben. Neeee, da checkt man dann spätestens, dass man das Leben vielleicht doch Lieber vermehrt mit schönen und wichtigen Dingen gefüllt hätte. Aber eigentlich wissen wir das ja auch. Nur Umsetzen, das fällt so schwer wie gute Ernährung, regelmäßiger Sport und die ganzen anderen weiß-man-ja-aber-kricht-man-halt-nicht-hin-Sachen. Welch schöner Gegensatz ist es da doch, sich in der offiziell stressigsten Zeit des Jahres, wo Zeit einfach nur vorbeirauscht und ganz viel fehlt, einfach mal hinzusetzen und seine Zeit großzügig zu verschenken, an andere, und an uns, weil wir haben ja auch was davon! Ich hier mit meinem entschleunigten Weihnachtskrempel habe es persönlich ausprobiert, auch damit ich die Entschleunigung nicht vergesse bei meinen ganzen Adventskalender-Todos und den vielen entschleunigenden Maßnahmen. Also habe ich seit Beginn meines Adventskalenders täglich mindestens eine Person aus der Kategorie “hab ich lieb” irgendwie kontaktiert, und das ganz ohne Todo-Liste, weil das will man ja nicht abhaken sondern genießen! Ich kann das echt empfehlen, sehr schön ist das. Also lege ich euch ganz fest ans Herz, es mal auszuprobieren. Es muss ja nicht jeden Tag sein, genausowenig wie man es bei “nur” einer Meldung pro Tag belassen muss… und dann kann man sie loswerden, die Sätze, in denen Liebe für 3 Winter steckt, auf das sie auch gehört werden.

11 Möglichkeiten Zeit zu verschenken, ob für ein paar Sekunden oder einen ganzen Tag. Mit dabei als unser treuer Verbündeter: die gute alte Spontanität

  1. Einfach mal anrufen: Ach mist, ich wollte doch die ganze Zeit mal… statt es auf die Todo-Liste zu schreiben oder sich zu ärgern, einfach zum Telefon greifen. Du hast keine Zeit? Komm schoooon, 10 Minuten! Lohnt sich nicht? Lohnt sich voll! 10 Jahre nicht gehört? Scheiß egal! Anrufen, hallo sagen und schlimmsten Falls einfach einen Termin machen oder sich gemeinsam vornehmen ganz bald mal wieder zu quatschen. Oder es ergibt sich sogar spontan Punkt 2.
  2. Einfach ins Auto (oder aufs Rad) setzen: Antriebslos? Mies drauf? Erschlagen von einer riesigen Todo-Liste? Soll doch die Wurst auf den Weihnachtsmann kacken, verbeuge dich vor deiner Liste und deiner Antriebslosigkeit, und dann lass sie beide da auf dem Küchentisch liegen und geh oder fahr einfach da vorbei, wo jemand nettes ist der auch grad keine Zeit hat. Und dann gibts Kaffee.
  3. Sich einfach mal verabreden – zeitnah: Wir müssen ja dringend mal wieder – ja total, diesmal wirklich. Hach im Moment ist so voll, vielleicht nächstes Jahr… da können wir mal telefonieren und was ausmachen. Hah, lacht da der Betrachter, während sich das erste Quartal des nahenden Jahres mit Terminvorsätzen füllt. MORGEN zum Beispiel ist ein wunderbarer Tag für eine Verabredung… und wenn man “nur” zusammen einkauft, Kekse backt oder Mittag isst. Oder morgens um 6 telefoniert. So lange man Kaffee dabei trinken kann, zählt es als echtes Treffen :-).
  4. Einen Brief oder eine Karte schicken: Für mich persönlich eine echte Herausforderung, der ich nicht mal in meinem freien Jahr gewachsen war. Dabei gibt es kaum einen schöneren schnellen Gruß. Fällt dir eine schöne Karte in die Hand – direkt beschriften. Jemanden nicht erreicht? Hinsetzen und mal kurz etwas Schreiben. Adresse drauf oder (bei mir Standard) Adresse erfragen, ins Auto legen und innerhalb der nächsten Wochen an der Post halten. ich habe das Glück ein paar ganz tolle Kartenschreiber zu kennen und kann daher aus Erfahrung sagen, dass man sich wirklich riiiiiesig freut!
  5. Die kleine Nachricht zwischendurch: Du denkst an Jemanden? Sag ihm das!
  6. Ein Foto: Schau mal was ich grad gefunden habe… das musst du mal probieren… du fehlst in unserer Runde… einfach mal einen kleinen Fotogruß schicken, und wenn nur um den Haufen auf dem Schreibtisch zu zeigen, der einen vom Melden abhält oder das Projekt abbilden, das einen seit Wochen gefressen hat.
  7. Die Sprachnachricht: Alteeeeer du glaubst nie was hier los ist… einfach mal kurz was draufquatschen, das geht auch auf dem Weg von der Arbeit zum Auto oder bei guten Freunden auch auf dem Klo ;-). Wenn man es sonst gar nicht schafft, ist es eine gute Alternative den anderen mal zu hören. Das gibt es auch als Königsdisziplin:
  8.  Der Sprachnachrichten-Adventskalender: Entwickelt von Anna und mir aus gegebenem Anlass. Täglich eine Sprachnachricht schicken, und wenn es nur eine kleine Momentaufnahme von dem ist, was man grad so macht. Und es ist so schön mal am Leben des anderen teilzuhaben. Das geht übrigens auch im Januar (für Junior reserviert!), im Februar…
  9. Jemandem etwas abnehmen oder bei etwas helfen: Jeder hat zumindest die Zeit sich bei etwas helfen zu lassen, Putzen, Werkeln, Geschenke einpacken, Essen zubereiten… kann man doch zusammen machen und dabei quatschen oder wenigstens beieinander sein. Oder man nimmt etwas ab, eine Besorgung, die Kinder… vielleicht ist dafür dann später Zeit für einen gemeinsamen Kaffee.
  10. Dabei sein: Etwas in dem ich uuuunglaublich schlecht bin aber das soo wunderbar ist, sich einfach mal merken was wann ist. Hey, heute war doch der Arzttermin, das Gespräch mit deinem Chef, das Treffen, die Entscheidung, …. Ich hab die Daumen gedrückt/an dich gedacht, wie wars?
  11. Absagen: Hahaaaa, nicht das Treffen mit einem tollen Menschen, sondern irgendwas, wo man eh keinen Bock drauf hat. Ja, auch wenn es doch “bestimmt trotzdem ganz nett wird” und “auch wichtig für irgendwas” oder “blaaaaaa” ist. Du hast Lust Jemanden zu sehen? Aber keine Zeit? Besorg dir Zeit, sag etwas anderes ab. Und am Besten daran: eigentlich kann man dabei problemlos ehrlich sein. Verstehen mehr Leute als man denkt! Statt Absagen kann man übrigens auch…
  12. Verschieben: Eine wunderbare Erfindung um sich Zeit für besseres/wichtigeres/schöneres zu nehmen. Ob Termine oder wichtige Aufgaben. Rechnungen muss man schon bezahlen, aber sonst… was passiert denn schlimmstenfalls? Also ich persönlich habe meine Steuererklärung für 2017 auf März 2019 verschoben, weil ich dann ja auch gleich die für 2018 machen kann. Ich bin so ein Fuchs 🙂 . Geschenke kaufen könnte man zum Beispiel auch mal auf den Januar verschieben… also ich persönlich freue mich auch im Januar über Geschenke. Und im Februar… Also, verschiebt einfach alles, (fast) egal wie wichtig und dann habt ihr auf einmal Zeit, die ihr euch und den wunderbaren Menschen, die euch das Leben geschenkt hat widmen könnt.

P.S.: Es wäre sooooo cool wenn folgende Situation mal tatsächlich stattfindet (hab ich direkt auf meine imaginäre Todo-Liste geschrieben):

Halloooo Schwiegereltern,

wie schön, dass ihr uns Besuchen kommt um gemeinsam Weihnachten zu Feiern. Ich hoffe ihr stört euch nicht an der Unordnung, ich wollte gestern aufräumen aber bin dann lieber den ganzen Tag mit X in der Sauna gewesen. Ach und einen Baum haben wir dieses Jahr nicht, voll verrafft und dann hatten wir abends auch keine Lust mehr loszufahren, weil wir grad so gemütlich auf dem Sofa lagen. Zu essen gibt es heute Pizza, weil ich keine Zeit zum kochen hatte – meine arme Nachbarin brauchte Hilfe bei ihrem 5-Gängemenü. Aber heyyy, nachher bringt sie die Reste vorbei. Is ja egal, Hauptsache ihr seid hier und wir verbringen mal etwas Zeit zusammen, stimmts?

 

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