21. tuerchen – letzter arbeitstag und fucking weihnachtsstimmung

So, geschafft für dieses Jahr. Von wildjauchzender Vorfreude erfüllt begann ich diesen Tag, fest davon überzeugt, dass nichts meine Stimmung trüben könnte…Wir waren sogar standesgemäß herausgeputzt, Appa und ich. Mit weihnachtlichen Fensterkritzeleien und Sternchenpulli. Weeeeeihnachts-Schaaaaaaf. Um gedichtete Weihnachtslieder trällernd bretterten wir zur Arbeit, um einen genussvollen letzten Arbeitstag zu zelebrieren. Letzte Arbeitstage haben etwas magisches an sich, alle sind gut drauf und die gestressten Gesichter entspannen sich. Hmm… außer an Weihnachten. Was ist denn hier los, denke ich als ich die Arbeitsstätte betreten, es riecht nicht, wie sonst in letzter Zeit, nach Keksen sondern nach Stress und Erschöpfung. Bilde ich mir das ein oder ist es hier kälter als sonst? Die sonst so freundlich-fröhlichen Gesichter meiner Arbeitskollegen wirken irgendwie versteinert, es ist ein bisschen wie melancholischer Winterschlussverkauf in einem Geisterhaus. Der ganze Tag ist auf Weihnachten ausgerichtet, es gibt sogar eine große Feier mit Vorführungen. Ich habe mich wirklich darauf gefreut das mitzuerleben, doch nun frage ich mich wie viel Organisationsstress eigentlich nötig ist um ein besinnliches Zusammensein ad absurdum zu führen. Es sind sehr schöne Beiträge und sehr viele Menschen sitzen bei Punsch und Keksen an hübsch drapierten Tischen beisammen. Viel Zeit zum Unterhalten ist nicht, das Beisammensein beschränkt sich weitestgehend auf nebeneinander sitzen und gemeinsam Beiträgen lauschen. Es wäre ja auch höchst unangemessen diese nicht zu würdigen, manche vergessen das zeitweise und es wird viel gepssstet. Pssssssst, psssssssssssssssss – so ein “psssst” ist ein scharfer Luftstrahl der so krass herausgeschossen wird, dass er fast zum Pfeifen wird. Es ist etwas aggressives, belehrendes, befehlendes… es tut in den Ohren weh. Ich versuche mich mit meiner Aufgabe zu beschäftigen, leider ist nicht viel zu tun, man versucht sich nett zu unterhalten, aber so recht kommt nichts und niemand in Schwung.

Ich sauge die Schwingungen und Emotionen um mich herum auf wie ein Schwamm, innerhalb von Sekunden bin ich super mies drauf. Scheiss Weihnachten. endlich ist es raus. Haha, da isser ja wieder, der Weihnachtsmuffel. Denn genaaau das ist es was ich an Weihnachten hasse und was es genau wie die  nichtvorhandene Nächstenliebe zu einem Fest der Heuchlerei macht. Megagestresst rennen die Leute durch die Gegend, organisieren eine tolle besinnliche Feier, regen sich dabei auf, über mangelhafte Planung und Transparanz, spicken das ganze noch mit Lästereien. Verständnis hat hier niemand für irgendwen. Dann sitzt man endlich beisammen und auf Knopfdruck muss die nette Stimmung her. Es riecht nach einer riesengroßen Lüge, gelb-grüner Nebel steigt auf, abgesondert von den Übersäuerten. Ich bin aber heute auch sensibel. Es zwingt mich ja keiner hier so einen auf Empath zu machen. Doch dann sagt ein Redner, dass man Weihnachten nicht alleine gestalten kann, dass immer auch andere dazugehören. Vielleicht ist es das, die Kollektive Stress-Stimmung, wie soll man sich ihr entziehen? Immerhin stehen wir unter dem Einfluss der Umwelt in der wir Leben. Und die ist echt mies drauf.

Was ist denn hier los mit euch? Looooos freut euch des Lebens, kommt wir schlagen ein paar Räder, nehmen uns an den Händen und drehen uns hüpfend im Kreis während ausgelassenes Lachen die Luft erfüllt. Hach ja, natürlich kann man niemandem einen Vorwurf machen, sie sind einfach alle fertig und es erwartet sie kein entspannter Urlaub sondern das ekstatische Ende der stressigsten Zeit des Jahres. Alle reden von Einkaufen und Putzen, von riesigen Todo-Listen und Streeeeeeeeeess. Es zerreisst mir das Herz, sie so zu sehen. Auch wenn es mir im Moment Todo-Listen-technisch ähnlich geht. Es ist traurig. Sie sind so erschöpft, dass man echt nicht von ihnen verlangen kann gutes in die Welt zu pusten. Tapfer bemühen sie sich, nach den Bekennungen zum echt-kein-Bock-haben auf die verkackte Weihnachtszeit alles wieder ins Lot zu bringen: “Aber hey, das wird dann ja auch schöön wenn alle da sind und äh eigentlich mag ich ja Weihnachten total gerne und so…” Die erschöpften traurigen Augen erzählen etwas anderes.

Vorfreude empfinden sie trotzdem alle – sie freuen sich wahnsinnig auf das Ende der Weihnachtszeit und träumen von ihrem Sofa, auf das sie sich dann endlich mal setzen und die Beine hochlegen können.

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