vorsicht: stollentroll

Blablabla – Intro

So, da ich krank ans Sofa gefesselt bin und dementsprechend wenig erlebe, kümmere ich mich jetzt mal um die Manifestation meiner Gedanken bezüglich der Kategorisierung von Menschen. Nicht, dass das so einfach wäre und sowieso muss man da sehr vorsichtig sein weil es ja früher oder später in Schubladendenken endet was ja wieder sehr kritisch zu sehen ist … genau ich wollte doch noch viel mehr übers Schubladendenken schreiben … aaaaber ich stehe jedenfalls total auf Kategorien und immerhin sind sie ja auch “die Grundbegriffe unseres Denkens”1. Hier geht es jedenfalls lediglich darum, dass manchmal vorherrschende Eigenschaften von Personen so lustig bestimmten Viechern oder so zugeordnet werden können. Das ist dann im Alltag praktisch, was ja der Sinn von Kategorisierungen ist. Unter Moers-Lesern zum Beispiel braucht man eine als Stollentroll bezeichnete Person kaum weiter zu beschreiben, da der Kommunikationspartner direkt das passende Bild im Kopf hat. Dieses Bild finde ich so amüsant und bisweilen unglaublich treffend, dass ich es mit euch teilen möchte. Dabei immanent: die ausdrückliche Empfehlung Walter Moers Romane zu lesen und sich generell von Stollentrollen fern zu halten.

Der zamonische Stollentroll2

Zamonien ist der von Moers kreierte Kontinent, auf dem seine Romane spielen. Dort ansässig ist unter anderem die Gattung der der Stollentrolle. Diese furchtbar arglistigen Zeitgenossen gelten als am wenigsten geschätzte Daseinsform in Zamonien. Sie sind so unbeliebt, dass die Bezeichnung Stollentroll vielerorts sogar als bußgeldpflichtige Beleidigung gilt, wohl auch weil sie neben Kneipenschlägereien auch schon kleinere Bürgerkriege ausgelöst hat. Als halbhumanoide Schattenparasiten unterster Ordnung weisen sie keinerlei herausragende Fähigkeiten auf. Der Lebensinhalt eines Stollentrolls besteht in der Regel allein darin, andere Daseinsformen dazu zu bringen ihnen zu vertrauen, um diese darauf folgend mit falschen Ratschlägen und Informationen ins Unglück zu schicken (zum Beispiel ins Netz einer Spinne). Obwohl fast jeder Stollentrolle direkt erkennt, schaffen sie es immer wieder durch selbstmitleidige Wehklagereien und der Betonung ihrer Opferrolle als hilflose und missverstandene Außenseiter der Gesellschaft Mitleid bei ihren zukünftigen Opfern zu erwecken. Sogar den Besten passiert es immer wieder auf sie hereinzufallen und so findet man sich allzuschnell in einer ausweglosen Situation, die der Stollentroll dann gerne mit einem mitleidigen “ich bin halt nur ein Stollentroll” kommentiert.

Stollentrolle in unserer Welt3

Auch bei uns kann man solche arglistigen Wesen natürlich treffen. Im Gegensatz zu den Originalen gehören sie offiziell zur Gattung der Menschen, auch wenn sie unter anderem durch einen großen Mangel an Menschlichkeit auffallen. Der Nachteil von unseren Stollentrollen besteht vor allem darin, dass sie nicht äußerlich erkennbar sind und ihre Rollen bisweilen über längere Zeit so gut spielen, dass man sie generell nur schwer auf den ersten Blick erkennt. Bei uns läuft halt alles etwas subtiler ab, das Ende einer solchen Begegnung ist jedoch – zumindest im übertragenen Sinne – ähnlich wie beim Original: man spürt einen Schubser, befindet sich auf einmal in einer im-Spinnennetz-festhäng-Situation (die steht hier für alle schlimmen Situationen in denen man so landen kann) und fragt sich warum man so blöd war. Oben steht der Stollentroll und lässt sich trösten, weil er so schockiert davon ist das da jemand einfach ins Spinnennetz gelaufen ist, obwohl er ihn doch noch gewarnt hat.

Ich denke jeder von uns ist schon mal dem ein oder anderen Stollentroll begegnet, diese windigen Biester lassen sich nur schwer überführen nachdem sie uns ihr wahres Gesicht gezeigt haben. In der Öffentlichkeit treten sie weiterhin als freundliche oder professionelle Wesen auf, die durch ihre subtil zur Schau gestellte Opferrolle permanent auf irgendeine Art Mitleid erregen und so höchst erfolgreich von ihrem wahren Wesen ablenken. In größeren Sozialverbänden sind sie häufig auch schon bekannt, da dies aber auch das Wissen über ihre Gefährlichkeit impliziert wird höchstens hinter vorgehaltener Hand getuschelt und gehofft, dass man dem Stollentroll aus dem Weg gehen kann oder dieser irgendwann von alleine geht um woanders unheil anzurichten.

Dementsprechend sind sie in der Regel wenig beliebt, auch wenn öffentlich keiner wagt sich gegen sie zu stellen. Währenddessen gehen die Stollentrolle weiter in ihrer Rolle als tapfere und kompetente Opfer auf. Dabei spielen sie sehr subtil, nicht laut wehklagend wie die Originale, eher tapfer dem Leben und allen Ungerechtigkeiten begegnend. Sie wollen stark sein und konzentrieren sich auf ihre angeblichen Fähigkeiten die sie sich auf die Fahne schreiben. Und auch die kaufen wir ihnen ab, völlig blauäugig nicht wahrnehmend, dass diese Fähigkeiten immer nur von ihnen selbst verbalisiert werden und sich kaum an ihren Handlungen erkennen lassen. Nein, sie scheinen kein Mitleid erwecken zu wollen, wir sind es die sie bedauern, weil sie nicht ernst genommen werden, keiner auf sie hört, obwohl sie doch so kompetent scheinen, alle gemein über sie reden, obwohl sie sich doch mit zitterndem Händchen so eine Mühe geben, sehen dass sie kein Sozialleben haben obwohl sie doch so nett sind. Wie kann es denn sein, denken wir uns dann, dass diese moralischen/freundlichen/kompetenten Menschen nicht auch von allen anderen als solche wahrgenommen werden?

Häufig traut ihnen niemand der sie kennenlernt böses zu, da helfen keine Warnungen, vor allem weil ein reflektiertes Betrachten der Begegnung mit einem Stollentroll in der Regel offenbart, dass man selber entsprechende Warnungen in den Wind geschossen hat, weil man sich einfach nicht vorstellen konnte das diese armen hilflosen Wesen boshaft sein könnten.

Und genau das ist ihre Stärke und zugleich der Grund, dass sie gemeinsam mit den “Raushaltern” (die muss ich auch noch mal beschreiben) die Niederste aller Daseinsformen darstellen. Denn es gibt ja wirklich kaum was gemeineres als die Erregung von Mitleid bei hilfsbereiten Menschen, nur um sie daraufhin vorsätzlich zu schädigen, wenn ihnen mal irgendetwas nicht in den Kram passt. Und das ist das Gefährliche. Stollentrolle bekommen schnell Angst, das ihnen irgendjemand vielleicht irgendetwas streitig machen könnte. Besonders wütend werden sie, wenn sie Angst bekommen das ihre eigene Kompetenzlosigkeit erkennbar werden könnte. Kommt es zu solchen Situationen kratzen und beißen sie und sind sich nicht zu schade auch zu den niedersten Mitteln zu greifen. Sie schubsen bereitwillig jeden ins Feuer, nur um von sich selber abzulenken.

Also: Vorsicht vor latent mitleidserregenden Menschen, die viel darüber erzählen wer und was sie sind, ohne das ihre Handlungen tatsächlich darauf hinweisen.

Generell sollte man immer vorsichtig sein, wenn Menschen sich selber vehement eine Fähigkeit zuschreiben. Denn Menschen denen besondere Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften wie Moral, Professionalität oder Empathie tatsächlich zuzuschreiben sind, brüsten sich nicht damit, im Gegenteil. Sie tun es einfach und überlegen dabei immer wieder, ob sie dem Anspruch den sie an sich selber stellen gerecht werden. Bei freundlichen Warnungen dagegen sollte man lieber erwägen diese ernst zu nehmen. Auch sie können natürlich von einem Stollentroll, der in die Irre führen will stammen, wenn man etwas aus unterschiedlichen Quellen hört sollte man aber spätestens auf der Hut sein… denn Stollentrolle gibt es überall.


1Franz Austeda: Kategorien. In: Lexikon der Philosophie. 6., erweiterte Auflage. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1989, S. 184. (Das Zitat ist allerdings abgeschrieben aus dem Wikipediaartikel https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft)#cite_ref-Austeda_2-1 )

3Das Bild zeigt eine Kritzelei über Stollentrolle in unserer Welt, eventuelle Ähnlichkeiten zu real existieren Personen sind rein zufällig und nicht vom Kritzler beabsichtigt.

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