8. Türchen

Gestern war schon die erste Dezemberwoche fertig, morgen ist schon der 2. Advent. Heute ist einfach heute. Ein Samstag mitten im Wochenende. Ich bin so gut drauf, dass ich beschließe heute mal wieder kein Päckchen zu brauchen. Irgendwie neige ich doch immer mal wieder dazu, Dinge für „den Ernstfall“ aufzusparen. Stellt euch mal vor da kommt ein Tag, an dem kann man echt mal 2 Geschenke gebrauchen… naaa, und dann? Gelitten, wer nix in Petto hat! Ich beschenke mich lieber damit, mal die vernachlässigten Leibesertüchtigungsvorsätze anzugehen und kämpfe mich immer mal wieder die Klimmzugstange hoch. Ich bin unglaublich schwach, muss ich mir eingestehen. Dann trinke ich dauernd Wasser und komme mir wahnsinnig gesund vor. Vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie der Körper mühevoll versucht dieses flüssige Zeug in die schwarze Kaffee-Schlacke die da so träge Venen und Arterien verstopft einzuspeisen. Er gibt schließlich auf und das Zeug läuft einfach durch. So wie der Tag.

Aber nicht ohne Schreiberei! Für das 8. und ja eigentlich auch 1. Türchen möchte ich einige Empfehlungen für mediale Zeitvergeudung geben und mich darüber hinaus mit dem Thema „Weihnachten und Egoismus“ beschäftigen.

Also, meine Top-Empfehlungen als Serienjunkie:

  1. Avatar – Herr der Elemente: Muss man gesehen haben. Wirklich!!! Eine wunderschöne Comicserie, für Kinder und für Erwachsene. Lustig, Spannend und Tiefsinnig. Meine meistgesehene und meistempfohlene (neben Firefly) Serie.
  2. Doctor Who: Eine britische Science Fiction Serie die es tatsächlich seit 1964 gibt. Totaler Kult und mit Auszeichnungen überhäuft. Seit 2005 gibt es neue Abenteuer von dem Doctor, der mit seiner Zeitmaschine – einer alten englischen Telefonzelle – und wechselnden Begleitern durch Zeit und Raum reist und wilde Abenteuer erlebt, bei denen er sich immer wieder den Grundfragen der Menschlichkeit stellt. Ich genieße und zelebriere jede Folge.
  3. Marvel‘s Agents of S.H.I.E.L.D.: Meine Lieblings Superheldenserie.
  4. Firefly: Oh du mein Firefly… eine Science-Fiction-Western-Serie der besonderen Art. Obwohl beide Genres nicht soo mein Ding sind entbrannte mein Herz doch in tiefer Liebe. Wundertolle 14 Folgen lang war ich glücklich… dann kam das dramatische Ende – Abgesetzt. Seither dürfte FOX der meistverfluchte Fernsehsender der Welt sein. Mögen die Verantwortlichen nach einem Leben voller Qualen für ewig im Höllenfeuer brennen. Ich hatte richtig Liebeskummer, wusste nicht mehr wie ich in einer Welt in der so etwas geschieht jemals wieder glücklich werden kann. Diese phantastische Serie fehlt in keiner ernstzunehmenden Aufzählung der besten Serien und das aus gutem Grund. Man sollte sie wirklich gesehen haben.
  5. Miss Fishers mysteriöse Mordfälle: Eine Krimiserie darf auch nicht fehlen. In den wilden 20er Jahren in Melbourne löst die selbsternannte Detektivin Phryne Fisher Mordfälle und genießt das Leben als emanzipierte und wohlhabende Single-Frau in vollsten Zügen. Übrigens eine der teuersten australischen Produktionen.
  6. Happy!: Action! Alkoholiker-Ex-Cop-Arsch wird von imaginären Pegasus-Einhorn-Freund seiner Tochter aufgesucht um diese zu retten. So ballert und prügelt sich der kaputte Typ durch die Weihnachtszeit und das arme Einhorn landet ebenfalls auf der schiefen Bahn. Nix für Kinder und Zartbesaitete. Mega!
  7. Brooklyn 99: Unglaublich witzige Polizei-Serie. Muss man auf jeden Fall auf Englisch schauen! Achtung: findet nicht jeder witzig. Ist es aber!
  8. Tatortreiniger: Wer intellektuelleren Witz bevorzugt, sollte sich unbedingt eine der sehr wenigen guten deutschen Serien angucken. Schotty (Bjarne Mädel) trifft im Rahmen seiner Tätigkeit als Tatortreiniger auf die skurrilsten Menschen mit denen er sich in wilde Diskussionen stürzt und allerlei erlebt. Unglaublich gut!

So, das waren 8 Serienempfehlungen für 8 Türchen. Habe versucht eine breite Palette zu bieten und die Beschreibungen bewusst kurz gehalten. Serienbeschreibungen bringen nämlich nix. Man muss Serien anschauen, um zu wissen ob man sie mag. Und zwar mindestens 2 Folgen! Viel Spaß 🙂

Kommen wir zum täglichen Nachdenkthema:

Egoistische Weihnachten?

Wer sich aus dem tradierten Weihnachtsbuisness zurückzieht, muss sich zwangsläufig mit der Frage beschäftigen, ob er das egoistischte Arschloch der ganzen Welt ist. Einmal, weil man es sich selber fragt und dann noch, weil andere es einem unterstellen. Das Thema ist also nicht neu für mich. Nun hab ich das Glück, das ich mittlerweile den egoistischten Menschen der Welt zufällig persönlich kennengelernt habe. Das ist insofern praktisch, da man sich im Vergleich immer direkt wie der beste Mensch der ganzen Welt fühlt. Aber auch wenn man dann ja immerhin schon mal nicht nicht der alleregoistischte Mensch ist, so reicht das ja noch lange nicht um den Weihnachtsausbruch als okay zu bewerten. Ständig ist man mit der Frage beschäftigt, ob man andere mit seinem Verhalten traurig oder wütend macht. Die sind doch bestimmt alle sauer…

Sauer… sauer war ich auch.

Denn natürlich gab es einen Anlass. Es gibt immer einen Anlass. Anlässe erscheinen zunächst als Grund für eine Handlung, erweisen sich bei späterer Betrachtung aber in der Regel als reines Symptom für etwas, bei dem ohnehin schon der Wurm drin war.

Der Anlass, der mich die schon seit Jahren infrage gestellte Sinnhaftigkeit dieses verlogenen heuchlerischen Festes nun endlich und endgültig feststellen und sogleich in form einer praktischen Handlung umsetzen lies war eine im Nebensatz mitgeteilte fristlose Kündigung meiner Stellung als Heiligabendköchin.

Stellt euch nur vor, nachdem ich Jahrelang unermüdlich und mit vollem Einsatz:

– liebevolle Weihnachtsmenüs wochenlang unter Beachtung der unterschiedlichsten Wünsche und Mäkeleien geplant habe…

– am 24. den kompletten Tag in der Küche verbracht habe, um all meine Liebe in die Zubereitung der Speisen fließen zu lassen…

– und schließlich tapfer ertragen habe, dass weder meine Kochkunst noch mein Einsatz jemals mit einem Wort oder einer Geste der Wertschätzung kommentiert wurde.

Und dann? Dann ändert sich auf einmal alles. Neue Lokation, angeheiratete Familie und da sind wir auch schon im fatalen den letzten Weihnachtsbeugungswillen im Keim erstickenden und alles für immer verändernden Nebensatz: „…, ach ja, du brauchst dieses Jahr übrigens nicht kochen, das macht Agathe. Die möchte kochen und macht das gern.“

Dieser Satz hat mich die ersten Jahre meiner Weihnachtsabstinenz immer wieder bestärkt und von jeglichem schlechtem Gewissen befreit. Da ich bekanntermaßen sehr gerne Koche und es für mich DAS Ausdrucksmittel für liebevolle Zuwendung schlechthin ist, war natürlich klar, dass ein solcher Affront nicht ohne Folgen bleiben kann. Tatsächlich wäre es überhaupt kein Unterschied gewesen, wenn man einfach gesagt hätte: „Fick dich und dein verkacktes Essen. Und was dir wichtig ist interessiert eh keine Sau. Es geht hier immerhin um fremde Leute und deren Bedürfnisse. Ach ja und: Fick dich!“ Die Jahrelang angestaute Enttäuschung über die Nichtwertschätzung meiner Weihnachtskocholympiade explodierte in einem wütenden Feuerball angestauter Aggressionen. Für mich gab es gar keine Entscheidung mehr zu treffen, ich war ja schon ausgeladen worden.

Jaja, aus dieser Episode sollt ihr nun weder entnehmen, dass meine Familie aus undankbaren Arschlöchern besteht , noch das ich ein übertriebenes Sensibelchen bin. Im Endeffekt hat man ja einfach nicht ehrlich und zugewandt miteinander kommuniziert und außerdem hat jeder halt andere Bedürfnisse. Das is ja nu offizieller Weihnachtsstandard, da braucht man sich gar nicht besonders zu fühlen.

Ich finds jedenfalls super, so im Nachhinein. Mit der Geschichte verbinde ich keine Emotionen mehr. Auf der Welle des überlaufenden Fasses bin ich in die Freiheit geschwommen und plantsche nun fröhlich umher.

Ein paar Jahre hat es schon gedauert, bis sich alles normalisiert hat. Ich war dann halt die Weihnachts-Persona non grata. Wie in so einer Verbindung oder Sekte. Da gibts nur ganz oder gar nicht. Grinch bleibt Grinch. Doch ich habe mich nicht allzusehr daran gestört, immerhin wurde ich ja quasi ausgeladen ;-P und vor allem waren die neuen Weihnachtsfeste viel zu schön, um überhaupt mit dem Gedanken zu spielen sie jemals wieder herzugeben.

Außerdem muss ich abschließend feststellen, dass meine Entscheidung sehr positive Auswirkungen auf das familiäre Miteinander hatte und wir uns mittlerweile gerne an einem der Weihnachtstage treffen, um eine schöne Zeit miteinander zu verbringen. Muss aber auch nicht.

Trotz der durchweg positiven Bewertung meiner Entscheidung gehört seither ein immergleiches Gedankenkarussel zur Weihnachtszeit wie Kekse backen.

Weihnachten: Selbstlosigkeit, Fest der Liebe, etwas von Herzen schenken, an andere denken… wie kann man da seine Familie verschmähen? Es geht doch nicht um einen selber bei diesem Fest! … Ich kürze das Hin und Her mal ab und komme direkt zum Ende der Diskussion:

Wenn nun aber jeder an die anderen denkt… dann wünscht sich jeder mit vollem Herzen das es den anderen gut geht und sie glücklich sind und eben auch das sie ein schönes Weihnachtsfest haben. Und zwar so, wie sie es schön finden. Das ist Nächstenliebe.

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