barfuss

Es ist so wundertoll barfuß unterwegs zu sein.

Ich bin schon immer mal wieder gerne barfuß gelaufen, im Sommer natürlich, das Gras unter den Füßen spüren oder eine warme Straße entlanglaufen… das macht ja eigentlich jeder gerne. Jedenfalls erwähnte ich ja schon, dass ich die Barfuß-Challenge angenommen habe nachdem mir aufgefallen ist, dass ich mittlerweile eine große Verantwortung trage als wandelnder Sommernochnichtvorbei-Beweis und natürlich auch, weil ich einfach nicht will.

Mittlerweile bin ich mehr oder weniger seit dem Beginn meiner Reise barfuß unterwegs. Das liegt vor allem daran, dass ich Zeit habe und machen kann was ich will. Ich muss nicht in irgendeinem Alltag funktionieren, habe keinen Stress irgendetwas schnell und effektiv zu erledigen und spüre durch diese ganze Entschleunigungsnummer wohl auch immer besser was mir gut tut und eben auch was die Barfußlauferei für eine positive Wirkung auf mich hat. Langsam und achtsam gehen, den Untergrund spüren auf dem man läuft und damit alles viel intensiver wahrnehmen. Zusätzlich fiel mir nach einiger Zeit auch auf, dass ich eigentlich immer irgendwelche Problemchen mit meinen Füßen hatte, Blasen, wunde Stellen, häufig Eisklumpen trotz dicker Socken und zwischendurch dafür dann Schweißfüße… das alles habe ich nicht mehr, und ich bin auch nicht wie oft vermutet wird ständig in Scherben getreten oder habe mich an Steinen oder sonstigem verletzt.

Ob Stadt oder Land, Barfuß laufen ist generell nicht so ein Problem wie immer gedacht wird.

In der Stadt kann man wunderbar barfuß laufen, alles ist geteert, ein bisschen Rasen hier und da, kaum Steine oder anderes, da kann man fast überall ganz normal langlatschen. Dafür sind die Füße seeeehr dreckig und das meistens nach 10 Schritten, pechschwarz vom ganzen Stadtdreck.

Im ländlichen Bereich ist das anders, da braucht man schon ein wenig Hornhaut – oder muss sich welche züchten. Überall Steine, Schotterwege, Schlamm, Kuhfladen, hohes Gras, Brennesseln, Disteln, Tannenzapfen und sonstwas. Aber auch Pfützen und feuchtes Gras, letztere machen die matschigen staubigen Füße immer schnell wieder sauber, so dass sie abends witziger Weise meistens recht sauber sind. Und das auch wenn man zwischendurch durch den matschigen Misthaufen läuft und durch den Kuh-Kack-Matsche-Tunnel wie ich immer auf dem Bauernhof – irgendwie absurd oder vielleicht auch gar nicht.

Das ich in meiner Zeit als Magd bis auf 2 Ausnahmen gar keine Schuhe außer die Areitsschuhe beim Melken und Eselstall ausmisten (da auch nicht immer 😉 ) getragen habe war ein guter Einstieg um das Ganze mal so richtig durchzuziehen… seit dem ich vom Bauernhof aufgebrochen bin hatte ich bis auf eine Ausnahme – eine kleine Wanderung durch die Weinberge in Frankreich – keine Schuhe mehr an.

Da die Wege auf dem Bauernhof fast ausschließlich aus groben Schottersteinen bestehen bin ich immer eher langsam voran gekommen, die ständigen Wege zum Bus, weil ich immer irgendwas vergessen habe oder brauchte haben also immer ihre Zeit gedauert was mich nebenbei unglaublich entschleunigt hat und außerdem über die Zeit auch ganz gut abgehärtet. Die wohlverdiente Hornhaut hat mir auf der darauf folgenden Challenge gute Dienste erwiesen auch wenn meine Fußpflegerin sich wohl die Haare gerauft hätte. In der darauf folgenden Zeit in der Großstadt und in der Kleinstadt sowie im Dorf bin ich problemlos barfuß durchgekommen, die Schotterwege die es dort gibt sind gradezu lächerlich im Vergleich zum Daxlhof – muaaa. Einzige Herausforderung war dann eigentlich die Kälte (ich berichtete über deutsche Kälte im Sommer-vorbei-Depressions-Artikel). Doch auch dabei stellte ich schnell fest, dass eine angemessen wärmende Kleidung wie Hose und Stulpen völlig ausreichend sind um nicht zu frieren und auch keine Eisfüße zu bekommen – es geht ihnen einfach gut. Wie gesagt ganz im Gegensatz zu sonst.

Das Einzige was ich spüre ist der Untergrund auf dem ich Laufe und das ist sehr schön. Ich weiß jetzt auch was es bedeutet, wenn einen etwas erdet, das war vorher irgendwie eher abstrakt für mich, aber spätestens nach den morgendlichen Spaziergängen über die nasse, teils eiskalte Kuhweide weiss ich genau was das ist – und es ist ein ganz tolles Gefühl und man wird ganz ruhig und gediegen und ich werde dann auch immer ganz glücklich und bekomme so ein debiles Grinsen.

Wenn ich dann über einen schwierigen Untergrund laufe (Steine, Nadeln, Kopfsteinpflaster…) und mich unbeobachtet fühle habe mir angewöhnt die Arme wie eine Seiltänzerin von mir zu strecken und ganz konzentriert den nächsten Schritt zu überlegen – dabei werde ich dann immer ganz fröhlich und wenn mir dann noch die Sonne ins Gesicht scheint ist jeder Weg ein schönes Erlebnis…

Da ich nun aus Frankreich wieder da bin und eindeutig Herbst ist – das sieht man an den bunten Blättern die von den Bäumen fallen – ist der Sommer eben doch vorbei und ich habe meine Challenge wohl erfüllt… um einen festen Abschluss zu haben setzte ich mir den 1.10. Ab diesem Zeitpunkt ist Schuhe anziehen wieder okay… falls mir danach ist…

Jetzt ist der 5.10., es ist kalt, doch noch nicht unangenehm an den Füßen. Mit Junior zusammen den Zwillingskinderwagen einen Schotterweg mit raucherlungenunfreundlicher Steigung hochschieben ist schon eine Herausforderung, in der Stadt habe ich keine Probleme außer das ich oft angesprochen werde. Eine Krankenschwester warnte mich: “Ich bin Krankenschwester, das gibt ne Lungenenzündung”, die Verkäuferin in dem Reformhaus konterte für mich: “Ich lauf auch immer barfuß wenn ich nicht arbeite, das ist kein Problem”. Wir unterhalten uns kurz, stellen fest das gar nicht so viel Glas und Spritzen rumliegen wie immer alle denken, die Füße gar nicht so kalt sind wie in Schuhen und freuen uns das wir nicht verrückt sind. Eine ältere Dame beim Physiotherapeuten rief: “Ach wie schön, ich bin auch immer gerne barfuß gelaufen, jetzt geht das leider nicht mehr.” An der U-Bahn meckerte eine Rentnerin rum und findet das überhaupt nicht okay, Junior wundert sich warum sich Menschen so aufregen können und wir stellen fest das einer der Hauptgründe für Schuhe wohl darin besteht, sich nicht ständig rechtfertigen zu müssen. Ein normalerweise singender Mann vorm REWE erzählt die Geschichte von einem Arzt, der gesagt hat das sei gesund. Barfuß durch Düsseldorf – da ist was los!

Kacki findet übrigens ich habe Gnubbelfüße, ich schätze das liegt daran, dass ich zu häufig Schuhe getragen habe!

6 thoughts on “barfuss

  1. …und wenn ich die fachmännisch gewandte Krankenschwester zufällig nochmal sehe richte ich ihr aus, dass allerhöchstens ihr Arsch ne Lungenentzündung kriegt.
    Gibt’s eigentlich bald nen Blog-Eintrag zur hohen Kunst des Arsch-Battles? Liebe Mitleser, falls ihr es noch nicht wissen solltet: Mihi Sr ist die Großmeisterin des Arsch-Battles und ich ein wenig stolz, bei ihr höchstpersönlich in die Lehre gegangen zu sein.

  2. Hi Du! Habe Deinen herrlichen Barfuß-Blog gelesen. Kannst Du mir irgendwie mal einpläuen, wie ich besser mit der Angst vor komischen Blicken oder doofen Kommentaren fremder Menschen umgehen kann um so selbstbewusst wie Du barfuß durch die Stadt zu laufen? Ich trau’ mich fast immer nur im Dunkeln oder bei anbrechender Dunkelheit und dann auch am liebsten in Begleitung (um mich durch Quasseln von den vermeintlichen Blicken/Kommentaren abzulenken) barfuß aus dem Haus. Und ich würde sooo gerne einfach barfuß mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und dann raus in die Stadt laufen 🙁

    1. Lieber Carsten,
      vielen Dank für die Blumen, ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut. Tut mir echt leid, dass ich es jetzt erst schaffe dir zu antworten! Ich habe schon ein ganz schlechtes Gewissen und denke immer mal darüber nach was ich dir raten könnte. Auch habe ich vor darüber mal einen längeren Artikel zu schreiben, da deine Angst ja nichts ungewöhnliches, sondern meiner Meinung nach das Hauptproblem bei der Umsetzung im Alltag ist. Aber bis ich dazu komme sind deine Füße wahrscheinlich schon erstickt, also hier schon mal ein erstes Brainstorming dazu.
      Ich hatte ja das große Glück unterwegs und im Urlaubsfeeling zu sein, das war hilfreich. Als ich dann in meine neue Wohnung ins Kaff gezogen bin habe ich schon darüber nachgedacht Schuhe anzuziehen, einfach um nicht gleich der Superfreak zu sein. Insofern kann ich dich total gut verstehen. Ehrlich gesagt habe ich dann einfach vergessen meine Füße in die Zivilisationsschlappen zu quetschen und bin da auch froh drüber.
      Du hast das Wichtigste ja schon erkannt, selbstbewusstes Auftreten und (bzw. durch) Ablenkung. Hmmm, wie schafft man es selbstbewusst aufzutreten?

      Durch Ablenkung:
      – sich auf das schöne Gefühl an den Füßen konzentrieren, die unterschiedlichen Untergründe und Temperaturschwankungen bewusst wahrnehmen, Fokus auf den Weg und die nächsten Schritte – also bei sich sein und bleiben.
      – die Umgebung betrachten und nach schönen Dingen suchen, Herbstblätter, ein spielendes Kind, ein süßes Rentnerpärchen, das immer noch so verliebt ausschaut, die untergehende Sonne… also auf Schatzsuche gehen.
      – Begleitung zur Ablenkung, das machst du ja schon. Vielleicht kannst du ja auch ein Ritual draus machen, einmal pro Woche mit einem Kumpel Kneipenabend oder Waldspaziergang oder ähnliches wo du immer Barfuß unterwegs bist…. ansonsten geht auch Telefonieren als Ablenkung.
      – Musik oder Hörbuch auf die Ohren

      Stimmungen nutzen:
      – schlechte Laune
      Scheiß auf die blöden Leute, du lässt dir dein Leben doch nicht von irgendwelchen oberflächlichen Trotteln die nichts besseres zu tun haben als sich zu erdreisten andere Leute blöde anzuschauen oder zu bewerten anstatt sich mal um ihren eigenen Scheiß zu kümmern diktieren. Schau dir mal deren Schuhe an und sei dankbar, dass du sie nicht anhaben musst. Sei dir bewusst darüber, dass du nichts an dem begrenzten Horizont anderer ändern kannst, aber du auch nicht bereit bist dein Leben danach auszurichten. Werde wütend… und dann geh raus und beweise dir, dass du eine starke, freie und selbstständige Person bist die sich nicht von anderen vorschreiben lässt, wie man seine Füße zu verpacken hat.

      – gute Laune
      Nutze die positive Energie und teile sie großzügig mit der Welt. Tritt mit einem Lächeln auf die Straße und halte deine Nase in die Sonne oder den Wind. Freu dich mit allem was du hast und kommentiere seltsame Blicke mit einem breiten Grinsen. Geh auf Leute zu, statt zu versuchen dich unsichtbar zu machen. Frag nach dem Weg, der Uhrzeit oder biete deine Hilfe an. Vielleicht fällt dir ja auch auf, dass es nette Blicke gibt. Wenn du angesprochen wirst dann lass dich freudig auf ein Gespräch ein oder gib einen lustigen Kommentar zurück.

      – melancholisch, traurig, lethargisch…
      Ist eh alles doof? Na dann kannst du ja nichts verlieren!

      – ruhig, im Einklang mit sich und der Welt
      Einfach raus gehen ohne groß drüber nachzudenken, tu dir bewusst etwas gutes und bleibe bei dir. Wenn dein Fokus auf andere wandert dann denke daran, dass du vielleicht Impulse gibst und andere zum Denken anregst oder ihnen Mut machst. Dann konzentriere dich wieder auf dich, betrachte das als Gehmeditation.

      mehr Ideen:

      – “übe” dort, wo wenige Leute sind. Im Wald oder an irgendwelchen abgelegenen Orten
      – etabliere kleine Gänge: Sonntags barfuß zum Bäcker oder ähnliches
      – such dir Verbündete, vielleicht eine Zeitungsanzeige aufgeben oder eine Facebook-Gruppe suchen (ich bin da ja nicht, aber es gibt doch zu fast allem Gruppen)
      – positive Verstärker: Wenn du einmal die Woche Barfuß zum Bahnhof und durch die Stadt gehst, dann holst du dir auf dem Weg eine gute Flasche Wein, ein Stück Torte… belohne dich für deinen Mut.
      – gut sind auch Vorsätze mit Freunden, vielleicht will ein Kumpel ja regelmäßig Joggen gehen, macht einen Wettbewerb draus und überlegt euch eine Belohnung.
      – habe ein paar Antworten im Gepäck!
      Ist das nicht zu kalt? – Nein. (haha, sehr kreative Antwort 😉 )
      Sie haben Ihre Schuhe vergessen! – Oh je, stimmt. Wo sind die bloß?
      Haben sie keine Schuhe? – Nee, die hab ich gegen Bier getauscht. Man muss ja Prioritäten setzen.
      Warum haben Sie keine Schuhe an? – Warum nicht?/Warum haben Sie Schuhe an?…Aha, naja, jedem das Seine…/Weil ich nicht mag

      So, jetzt hab ich mein Pulver langsam verschossen, vielleicht noch eine Beobachtung von mir: ich glaube, wenn du dich ein wenig daran gewöhnt hast, zwischen all den Menschen keine Schuhe anzuhaben und mit Haltung (mach dich groß, Schultern runter, beschwingter Schritt) deinen Weg gehst und dabei völlig vergisst das Jemand gucken könnte… dann merken die meisten Leute gar nicht, dass du keine Schuhe trägst. Überleg dir mal wie ignorant diese Welt ist, die meisten Menschen sind doch mit sich und ihrem Stress beschäftigt, wenn du nicht auf dein Barfuß-sein achtest werden es auch die meisten anderen nicht tun.

      Ich hoffe sehr ich konnte dir ein paar Anregungen geben und würde mich sehr freuen, wenn du mich auf dem Laufenden hältst, wie es so läuft (hihi, läuft).

      Als Motivation und Entschuldigung für die späte Antwort bekommst du den ersten Verstärker direkt von mir: Wenn du dich 20 mal raus getraut hast schick mir die Beweisfotos von deinen Füßen in der Welt, dann mach ich ne Collage draus und veröffentliche sie uuuund du bekommst ein Fläschchen höchstpersönlich angefertigtes Fußpflegeöl von mir (ich experimentiere ja grad mit Aromatherapie).

      Ich wünsch dir alles Gute und schicke dir eine Portion Mut rüber,
      liebe Grüße vom Schaaf

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