crazy vorstellungsgespräch und adrenalinflash

Nachdem ich um 5 Uhr morgens (!!!!!) aufgestanden und stundenlang mit 140 km/h über die Autobahn geheizt bin halte ich auf einem Parkplatz um meine Klamotten zu wechseln, die zerzausten Haare zu bändigen und Mascara aufzulegen – ich habe nämlich ein Vorstellungsgespräch. Ich bin gleichzeitig voller Adrenalin von der ganzen Heizerei, hundemüde, total aufgeregt und spät dran. Toll, habe extra 2 Stunden Puffer antizipiert, der jedoch rüde durch Stau, Baustellen und eine kleine Bubu-Pause zerstört wurde. Etwa 45 Sekunden später habe ich zitternd den Mascara in meinem Gesicht verteilt und stürze mit weichen Knien auf den Fahrersitz, um mit quietschenden Reifen zurück auf die Fahrbahn zu donnern. Dann sehe ich ein blödes Arschloch, es schießt ohne Vorwarnung aus einer Einfahrt und zwingt mich zu einer Vollbremsung, bei der mir die zwischen Decke und Klappdach befindliche Tischplatte auf den Kopf kracht. Ich höre nur den Knall und fahre benebelt weiter um kurz darauf verwirrt aus dem Auto zu stolpern, meine Flip Flops zu greifen (jaja, man muss sich ja „schick“ machen) und hektisch zu besagtem Gespräch zu rennen. Jenes war eigentlich nur der Form halber und ziiiiemlich spontan anberaumt worden, um gewisse Formalitäten einzuhalten. Ich war nämlich schon einmal da und danach schien alles in trockenen Tüchern. Okay, was tut man nicht alles für die Form, heize ich halt spontan mal wieder quer durch Deutschland. Doch statt gemütlich einen Kaffee zu trinken empfängt mich ein Komitee aus ernsten Menschen und durchlöchert mich mit Fragen. Ich glotze verstört in die Runde, bin stark am zittern und gefühlsmäßig noch voll im Geschwindigkeitsrausch auf der Überholspur. „Ich hab ‘ne Tischplatte auf den Kopf bekommen“ rauscht es per Endlosschleife durch meinen Kopf, während ich versuche durch den Nebel der Verwirrung den vom Komitee produzierten lustig über den Tisch fliegenden Wörtern eine Bedeutung zu entlocken. Als mir dies gelingt bin ich zufrieden, entnehme aber den erwartungsvoll auf mich gerichteten Blicken, dass anscheinend eine Antwort von mir verlangt wird. Mein staubtrockener Mund bringt immerhin einen Krächzelaut hervor und die Dame vom Personalrat schenkt mir Wasser nach.

Gefühlte 8 Stunden lang versuche ich die vielen Fragen zu beantworten und soll schließlich auch noch etwas über mich erzählen.

„Ich?…Ich habe eine Tischplatte auf den Kopf bekommen!“

Als alles vorbei ist habe ich überhaupt keine Ahnung wie ich mich geschlagen habe. Wie auch, ich war ja quasi gar nicht dabei. Ich weiß nur noch, dass ich mir zwischendurch das Grinsen verkneifen muss beim Gedanken daran, wie ich meinen Freunden haarklein und in allem Facetten die hoffentlich nach und nach in mein Bewusstsein dringenden Episoden dieses epochalen Gespräches erzählen werde. Ich sehe sie schon lachend am Boden liegen.

Ich hab jedenfalls allen Widrigkeiten zum Trotz mein Bestes gegeben und es gab auch ein Happyend. „Ich denke sie sind ein seeeehr individueller Mensch und werden sicher frischen Wind in unser Kollegium bringen.“ Ich glotze nur verstört, individuell? Ich hab doch gahaaaar nichts gemacht, voll verklemmt und eingeschüchtert mit Stock im Arsch. Oh Gott und dabei werde ich schon als super spezieller Typ wahrgenommen? Ihr habt ja keine Ahnung ;-).

Langsam kommen die Kopfschmerzen, ich wanke, nun vollends verstört, zu meinem vollgekritzelten Hippiemobil in dem ich seit nun fast einem Jahr wohne, ziehe die Schuhe aus und drehe mir eine Zigarette, die ich schwitzend im völlig überhitzten Auto rauche, während ich mich frage wie die bloß auf die Idee kommen das ich voll der Freak bin…

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