das schaaf, der schatten und der berg

Heute ist es soweit, der Berg ruft. Ich erkläre dem Schatten wann wir los müssen und das sie sich vorher etwas zu essen zum Mitnehmen machen soll. Kurz nachdem wir los wollten kommt sie und wundert sich, dass ich ihr nichts zu essen gemacht habe. Langsam glaube ich die Herausforderung des Tages besteht nicht aus dem Bezwingen des Berges, sondern im Schattensitten. Ich beschließe sie als mein Kind anzunehmen und erkläre ihr alles nochmal, lege alles bereit, damit sie sich essen machen kann, ich stelle ihr den Wanderstock ein und besorge ihr einen Rucksack an dem ich ihre Schneeschuhe befestige, dann stelle ich ihr noch den Hüftgurt ein.

Sie schreibt mir einen Zettel: „If it‘s difficult lets go back, I would rather enjoy a short easy hike“. Das ist ein kleiner Spaziergang was du meinst, denke ich und erkläre das es so leicht wohl nicht sein wird und diese frei-im-Kopf-Meditations-selbst-geißelungs-Action voll gut für die ganze bei-sich-bleiben-Nummer ist.

Warum muss ich denn hier jetzt eigentlich Werbung machen?

Ich bin die, die hier keinen Bock hat und lieber mit ner Flasche Rotwein auf einem Schaaffell vor einem Ofen sitzen sollte, während ihr irgendjemand die Füße massiert!

Ich verspreche ihr, dass ich sehr unsportlich bin und wir ganz langsam gehen und sie ja auch umdrehen kann, wenn sie möchte.

Wir gehen los und nach kurzer Zeit komme ich mir dann doch mega-sportlich vor, ich bin ja auch alpine Wanderführerin, fällt mir wieder ein, und werde mein neues Kind heile den Berg rauf bringen.

Der Schatten ist unendlich langsam, ich glaube sie geht immer rückwärts, wenn ich nicht schaue. Nach 1-2 Kilometern müssen wir über einen Bach, das denke ich jedenfalls nachdem ich alle anderen Möglichkeiten abgegangen bin – denn hier ist überhaupt gar kein Weg oder so, hier ist nur Schnee. Der Schatten sieht, dass es recht knackig bergauf geht und eskaliert. Er möchte zurückgebracht werden.

Ich erkläre, dass das natürlich voll okay ist, ich aber gerne weitergehen würde, weil ich befürchte Marcel schickt mich morgen sonst wieder. Sie kann ja einfach den Spuren zurück folgen, es ist ja nicht weit. Nein, ich muss sie bringen, okay, alles wieder zurück, yay. Es ist wirklich unglaublich, dass ich hier die Führerin mit dem Plan bin, das glaubt mir keiner!

Die letzten 200 Meter lasse ich sie alleine gehen, unsere Spuren sind ein sehr eindeutiger Weg und egal wo sie langgeht sie wird irgendwo zwischen Appa und Tempel rauskommen, sie lässt sich noch für den Notfall meine Handynummer geben und ich fange halt wieder von vorne an.

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