ein kleiner einblick ins tempelleben

Die ersten Tage vergehen wie im Fluge. Schritt für Schritt lerne ich das Tempelleben kennen und lieben. Es gibt eine grobe Tagesstruktur, die ist aber recht flexibel und wird den Gegebenheiten angepasst. Sehr viele Regeln gibt es nicht und doch ist vieles anders, als man es so kennt. Bis auf die Meditationen gibt es kaum einen Unterschied zu einem „normalen“ Alltag, besonders ist eher, wie man etwas macht.

Es geht viel darum bei sich zu bleiben und stets den Fokus auf das zu richten, was man tut, sei es eine Meditation, Kochen oder Gartenarbeit. Der Zen Mönch sagt, man kann überall und bei allem meditieren, weder benötigt man eine Meditationsraum, noch eine bestimmte Haltung oder besondere Ruhe um sich herum. Alles Schnickschnack. Das hilft uns natürlich, vor allem am Anfang, aber wenn man es voll drauf hat kann man auch in der Staßenbahn oder beim Abwaschen meditieren. Das ist wichtig, dass muss man üben, denn im Alltag hat man keinen Tempel und keinen Meditationsraum. Macht auch Sinn, deshalb gelingt es ja auch so selten Dinge, die wir isoliert lernen oder etablieren, zum Beispiel im Urlaub, in den Alltag zu transferieren. Ich mache mir auch immer wieder Gedanken darüber, inwieweit ich es wohl schaffe die auf der Reise gewonnenen Erkenntnisse, Angewohnheiten und Sichtweisen mit in den Alltag zu nehmen, wie ich es anstellen soll das nicht zu verlieren.

Über den Zen Buddhismus weiß ich noch nicht so viel, bisher habe ich mich eher mit dem Diamatweg und dem tibetischen Buddhismus beschäftigt. Ich finde es sehr spannend, mehr darüber zu erfahren. Trotzdem würde ich hier nicht so viel darüber schreiben wollen, weil ich einfach kein Experte bin und jeder, der sich interessiert wohl am besten selber auf die Suche geht…

Aaaaaber dennoch kurz zum Thema Zen: Generell ist es wohl eine sehr offene Form des Buddhismus (den ich sowieso sehr offen im Vergleich mit anderen Religionen finde), bei der es weniger um Regeln, Anweisungen, Einschränkungen und Lehren geht als vielmehr darum, selber den Weg zu gehen und Erkenntnisse zu gewinnen. So habe ich es jedenfalls bisher verstanden. Der Leitsatz hier ist, dass man jemandem zwar zeigen kann, wo die Toilette ist, er aber selber gehen muss. Ich muss dann immer daran denken wie häufig ich schon Leute auf die Toilette gebracht habe, aber das ist ein anderes Thema ;-).

So, beim Tempel waren wir stehengeblieben, genau, ääh, Tagesstruktur und wie man etwas macht. Generell wird viel meditiert und zwischen den Mahlzeiten gibt es Arbeits- und Freizeitphasen. Seit ich da bin läuft es in etwa so:

Der Tempel-Tag beginnt um 5 Uhr mit der ersten Meditation und endet um 22 Uhr nach der letzten. Da muss man aber noch nicht ins Bett gehen. Die Morgen-Medi wird vom Frühstücksgong um etwa 05:45 beendet, dann huschen wir runter und essen. Tisch abräumen, Küche aufräumen, besprechen wie der Tag so aussieht, dann ist es meistens so 06:30 Uhr und häufig ist dann bis 8 Freizeitphase (= schlafen), außer es muss etwas geputzt werden. Dann gibt es etwas zu Arbeiten oder, wenn nichts zu tun ist, es geht weiter mit den Medis. Zum Beispiel 3 mal eine Stunde mit je 30 Minuten Pause dazwischen. Etwa um 12:00 Uhr gibt es Mittag, danach Pause und die nächste Medi oder etwas arbeiten. Da zur Zeit Winter ist gibt es nicht so viel zu tun, wenn morgens schon viel meditiert wurde ist vielleicht auch bis zum Abendessen Freizeit. Ach ja, um 10 Uhr und 15 Uhr gibt es „Znüni“ und „Zvieri“, das sind schweizerische Zwischensnacks, also Kaffee und Kuchen oder so, die sind vor allem wichtig wenn man arbeitet. Etwa um 18:00 gibt es dann Abendessen, danach eine kurze Pause, ein bis drei Meditationen und dann ist der Tag auch langsam wieder vorbei.

Das ist so ganz grob der Tagesablauf. Kommen wir zu den Besonderheiten.

Die Meditationen finden auf dem holzverkleideten und zur Zeit bitterkalten Dachboden statt. Dort liegen total coole Matratzen-Kissen-Dinger (ich will auch so eine haben!) und Decken. Es riecht angenehm nach Räucherstäbchen und nach einer kleinen Verbeugung (Namasté – kennt man z.B. vom Yoga) wird die Meditation von einem Gong begonnen und beendet.

Die Arbeitsphasen sind keine willkürlichen Beschäftigungsaufträge sondern beschränken sich auf die anfallenden Arbeiten am Haus, im Haushalt und im Garten. Also Kochen, Putzen, Waschen, Holz hacken, Hühner versorgen und was halt sonst noch so zu tun ist. Es kann auch sein, dass eine Wanderung in Auftrag gegeben wird. Einkaufen und Kochen werden vom Tempelkoch übernommen, der ist für die Gesundheit der Bewohner zuständig. In den Arbeitsphasen soll man möglichst darauf achten bei sich zu bleiben und fokussiert zu sein, da es nicht ums Arbeiten an sich geht sondern eher um den meditativen Aspekt. Das bedeutet nicht, dass man immer alleine arbeitet oder nicht kommunizieren darf, der Fokus liegt aber eben woanders. Um zu üben, auch in der Gemeinschaft bei sich zu bleiben, werden die Arbeiten teilweise auch bewusst in der Gruppe durchgeführt. Zur Zeit sind nicht viele Leute da und im Garten liegt Schnee, da ist alles etwas reduziert.

Die Mahlzeiten sind sehr ungewohnt, still setzt man sich hin, Namasté, morgens und mittags gibt jeder eine Kleinigkeit von seinem Essen in eine Opferschale – das ist eines der wenigen klassischen Rituale die hier durchgeführt werden – und dann wird schweigend gegessen. Generell wird gegessen was auf den Tisch kommt, und das entscheidet der Koch. Klassisch besteht das Essen aus Spenden, daher gibt es auch keine speziellen Diäten oder so. Die Nahrungsmittel werden hier zwar meist gekauft und weniger gespendet, trotzdem geht es darum alles zu verwerten und nicht Sonderwünsche zu erfüllen. Allergien und Unverträglichkeiten sind davon natürlich ausgeschlossen.

So, das nur um einen kleinen Einblick zu geben. Wer mehr wissen möchte schaut am Besten direkt auf der Tempelseite, da sind übrigens auch viel schönere Bilder, als ich hier je machen könnte.

http://zen-temple.net/de/zen-tempel/honora-zen-tempel/einfuehrung/

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