heute haben wir die zeit neu erfunden

Heute ist mein absoluter Lieblingstag! Ja, ganz und gar großartig finde ich diesen Tag! Ich bin Fan von diesem Tag! Ganz großes Kino dieser Tag! Die Sonne scheint mir aus dem Arsch!

Nachdem ich es gestern offiziell aufgegeben habe a) früh ins Bett zu gehen und b) darauf reinzufallen das meine brutale 22 Uhr-Müdigkeit irgendwas mit früh schlafen können zu tun hat, habe ich mir einen schönen müden Abend vor einem Feuerchen gemacht und bin ganz gemütlich um 1 Uhr ins Bett gegangen um ganz wunderbar zu schlafen. Das ist sehr viel besser, als um 23 Uhr ins Bett zu gehen und um 3 Uhr einzuschlafen, vor allem wenn der Tag um 4:45 Uhr wieder beginnt – das habe ich nämlich die letzten Tage so gehabt. Mein Körper wehrt sich eben, er mag nicht früh ins Bett gehen und wenn ich ihn zwingen will zeigt er mir mit der Insomnia-Nummer wer hier das sagen hat. So, dementsprechend ausgeschlafen war ich heute, da ich ja verhältnismäßig viel Schlaf bekommen habe. Ich glaube übrigens, dass das ganze Meditieren eventuell zu einem reduzierten Schlafbedarf führt.

So, aber es ging ja um diesen wundertollen Tag, genau. Nach der Morgen-Medi gab es ein wunderbares mitKäsegefülltePfannkuchen-Frühstück, ein gemütliches Nickerchen, die freudvolle Ausübung meiner Aufgabe als Tempelköchin und schließlich eine neue Sicherung.

Die Sicherung ist die letzten Tage das Thema gewesen, die Säge funktioniert nämlich nicht und das Feuerholz geht uns aus. Der ambitionierte Einsatz einer Person, die wild mit der Kettensäge rumgefuchtelt hat um uns zumindest zeitweise das Überleben zu sichern war zwar großartig, der Ofen hat die großen feuchten Holzstücke aber nicht respektiert und ist dauernd ausgegangen. Nach vielem hin und her konnte ich den schweizerdeutschen Erklärungsversuchen des Schäfers, der hier auch der Vermieter ist, immerhin einige Informationen entnehmen und nachfolgend die durchgebrannte Sicherung finden und – heute war es ja dann soweit – ersetzen. Das wiederum hatte dann zur Folge, das statt schnöder Hausarbeit (Hausarbeit ist sooo undankbar, jeden Tag kann man wieder von vorne Anfangen) heute endlich mal etwas richtig cooles auf dem Plan stand. Wir haben dann schön Holz gesägt und den riesigen Haufen dann in Kleinstarbeit zum Haus getragen und dort aufgeschichtet. Harr, Maschinenpower, Schweiß, Muskelarbeit – da steh ich drauf.

Nach dem Ausmisten des Hühnerstalles und der täglichen Barfuß-Runde zum Bus habe ich dann einen freien Tag beantragt (der letzte ist ja auch schon ne Woche her 😉 ). Ich will jetzt endlich mal die letzten Artikel fertigstellen, um mich danach eeeeendlich mal mit dem Blogoutfit auseinanderzusetzen (oh man, ich glaub wir denken mittlerweile alle das es da wohl nie zu kommen wird 😉 ). Deborah nimmt morgen ihren freien Tag, hahaaa da mach mit. Alter – da kann man AUSSCHLAFEEEEEEEEEEN! Da simma dabei, dat is priiiihiiiimaaaaaaaa… hah, das heißt heute so lange wach bleiben wie ich nur Lust habe – whoooohooooooo.

Aufgedreht erkläre ich Deborah warum der Freitag schon immer mein allerliebster Lieblingstag war – nämlich weil man sich nach einer arbeitsreichen Woche erschöpft und wohlverdient einen wundertollen Abend machen kann und (an) gar nichts (denken) muss, weil das gesamte Wochenende noch vor einem liegt. Mir wird bewusst, dass ich Wein brauche, das muss gefeiert werden. Beschwingt packe ich meinen Rucksack und tanze Richtung Wald. Hach wie schön ist es doch durch den Wald zu laufen, also einen schöneren Weg zum Supermarkt gibt ja wohl gar nicht. Der Weg ist wirklich toll und vor allem geht es nur bergab. Mir fällt auf, dass ich die Melodie von „Guten Abend, gute Nacht…“ vor mich hin trällere und ich bleibe stehen um ein paar Schneeglöckchen zu fotografieren. Ist das nicht alles herrlich?

Im Supermarkt versuche ich das Singen und Tanzen auf ein Minimum zu reduzieren und dann stapfe ich auch schon wieder beschwingt den Weg zum Tempel hoch. Japsend aber glücklich komme ich kurz darauf an, „du bist aber gut drauf, ist das weil heut Freitag ist?“, empfängt mich Deborah. „Jahaaaaa“, singe ich während ich mich mit erhobenen Armen im Kreis drehe. Dann stellt sie fest das eigentlich Donnerstag ist, „das stimmt gar nicht“ brülle ich, „das kann uns keiner vorschreiben“ und fuchtele wild mit meiner Faust in der Luft herum. „Ach so“, stellt sie erfreut fest, „ja dann haben wir die Zeit jetzt neu erfunden“. Wir freuen uns über den Start ins Wochenende und ich beschließe, dass dieses direkt mit einer zitronigen Zuccini-Carbonara beginnt. Während des Kochens sabbeln wir so ausgelassen, dass mir die Zuccini fast anbrennen. Es fühlt sich irgendwie an wie der erste Tag der Sommerferien.

Nach dem Essen machen wir eine kleine Pause in der ich schon mal den offenen Kamin im Esszimmer anheize. Davor liegen schon die Medimatten für einen gemütlichen Abend bereit, doch dann wird erst mal meditiert.

Zwei 45-Minuten-Medis später befinde ich mich kurz vorm glücksrauschinduzierten Delirium, whooohoooooooooooooooooooooo. Aufgeregt brabbele ich Deborah zu, dass ich ja langsam doch schon drohte ungeduldig zu werden, weil es irgendwie so gar nicht weiterging bei den Medis, mit irgendwie mal ruhiger, klarer, wasauchimmer werden und jetzt PAPUUUUUUUUUU – WHOOOOOSCH. Alles klar, ja natürlich, in your face alter, ich weiß jetzt bescheid – tadaaaaaa. Ich bin… so… ruhig. Es ist… so… klar. Ich bin… klar… Frieden. Also, das ist echt krass. Ich meine, kennt ihr das? Manchmal erwischt einen etwas und man sieht es auf einmal ganz klar, man sieht sich, waswiewowarum, erkennt etwas, was man vorher nicht verstanden hat… nicht auflösen konnte. Dann trifft einen eine tiefe Erkenntnis, hell leuchtend, und danach ist das, worum es geht, anders. Man ist geklärt und hat nun Zugang zu etwas neuem, etwas (für einen selbst) epochales, etwas veränderndes.

Als nächstes knalle ich mir einen Kaffee rein. Die Einhörner sind mit meinem Freudenfeuerwerk etwas überfordert und verstecken sich ängstlich unter dem Tisch. Ich kuschel ich mich vor den Kamin, genieße mein Dasein und tippe auf dem Laptop herum…

Nun ist es schon weit nach Mitternacht, ich habe geschrieben und nachgedacht und geschrieben – und nun hat mich das Feuer geweckt. Es ist zu neuem Leben erwacht, eine ganze Zeit nachdem ich neues Holz auf die Glut gelegt habe. So wie wir es auch können, immer und immer wieder. Es knistert und röchelt (Deborah hat mir erklärt das ist die Feuchtigkeit), es riecht wunderbar und ich genieße jetzt den Rest des Abends mit meinem Gläschen Wein, während das Feuer heiß auf meine Wange strahlt. Vielleicht lese ich noch in meinem Buch, vielleicht schaue ich auch nur dem Feuer zu…

One thought on “heute haben wir die zeit neu erfunden

  1. Oooohhhh….
    es ist so so unfassbar was du schreibst!!!! Ich bin beim lesen mit dir beschwingt herumgedreht!!!!
    Wie gern würd ich mich zu dir beaaaamen oder knipsen!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.