nächstenliebe?

So, nach einer kleinen Winterpause an der Blogfront melde ich mich hiermit zurück. Der November stand ganz im Zeichen der Bürokratie, aber das meiste ist geregelt und nun geht es munter weiter.

Ursprünglich hatte ich vor mich hier im November so richtig schön auszukotzen, passend zur Jahreszeit meinen Brass auf die Gesellschaft loszuwerden und alles anzuprangern was mir so unter die Finger kommt. Ordentlich ausgekotzt hätte man dann im Dezember so schön umswitchen können auf eine liebevolle und wohlwollende Betrachtung von diesen kleinen, hilflosen, fehlerbehafteten Menschendingern die wir da sind.

Hmpf, die Kotzkolumne kann ich mir ja jetzt erstmal sparen, wo doch schon der 2. Advent ist und die flauschige Weihnachtszeit schon des Anstandes halber unter dem Motto Nächstenliebe daherkommt.

Nur so viel sei gesagt, der notwendig auf den Stollentroll-Artikel folgende Artikel hätte wohl eine Überschrift wie “Raushalter – das schlimmste Übel der Menschheit” oder “Zivilcourage – eine fast ausgestorbene Genmutation” oder “Der Deutschen wertvollstes Gut: Wegschauen” oder “hmm, na ja… das geht mich ja eigentlich nichts an” oder “nix aus der NS-Zeit gelernt – die Deutschen wieder”. Oh ja, ich hätte mich nicht vor Nazivergleichen gescheut, im Gegenteil! Hätten wir nicht irgendwann zwischen KZ-Besichtigung und Kopfschütteln über unsere massenmordduldenden Vorfahren irgendwie vergessen, dass aktive Aufarbeitung die Entwicklung raus aus der Wegschau-und-nur-an-sich-denk-Kultur hätte beinhalten müssen… die Deutschen wären vielleicht gar nicht das sich ängstlich duckende froh-wenns-nicht-mich-sondern-wen-anders-erwischt-Volk geblieben… vielleicht war es aber auch von Anfang an zum Scheitern verurteilt weil die ganze Arisierung die Deutschen im evolutionären Schnelldurchgang zu rückradlosen Würmern gezüchtet hat. Vielleicht sollte man es als Pendant zu dem Gesetz, dass nur Arier untereinander heiraten dürfen jetzt verbieten und die Deutschen zu Mischehen verpflichten um die ganzen Schande verursachenden defekten Gene mal rauszuzüchten. Das wäre zumindest eine humane Lösung, wir wollen ja nicht gleich wieder zu Massenmord greifen…

…jedenfalls bin ich echt angepisst, weil man sich dauernd so schämen muss Deutscher zu sein. Das Kompetenzinventar in Sachen Zivilcourageunfähigkeit scheint sich ins unermessliche zu steigern, auch wenn man immer wieder denkt da ist nix mehr zu toppen. Und das nicht nur nach der Wahl, sondern jeden Tag wenn die ganzen Unpersonen wieder zuschauen wie Menschen erniedrigt und gequält werden, gaffend ihre Handys zücken wo immer ein Unfall passiert, daneben stehen wenn Frauen von ihren Männern und Kinder von ihren Eltern geschlagen werden, sexuelle Belästigung, Mobbing… na ja ich brauch jetzt glaub ich gar nicht weitermachen, da kennt glaub ich jeder genug Situationen. Ich werde diese hupsi-es-sollte-doch-so-weihnachtlich-werden-dammit-Ausführungen jetzt mit einer Frage beenden und dann erstmal die Kinder vom Bus abholen um die Tage dann mal von meinem neusten Leben als Haus-, Kinder- und Jugendsitter zu berichten.

Also, eine Frage, die eigentlich rhetorisch ist:

Wenn der durchschnittliche deutsche Staatsbürger nicht in der Lage ist sich für einen Freund/einen Familienangehörigen/einen Arbeitskollegen/etc. einzusetzen, wie würde er reagieren, wenn morgen NS-the next generation losgeht und irgendeine Minderheit mal wieder als Volksfeind diffamiert und daraufhin menschenunwürdigen Bedingungen bis hin zu Folter und Mord ausgesetzt wird?

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