und wo schläft der bus?

Als Wohnmobilist respektive Zigeuner wohnt man ja in seinem Auto, doch wo wohnt das Auto wenn es nicht fährt? Normale Parkplätze sind eher Tabu, also muss man sich früher oder später überlegen wo man in Ruhe schlafen kann, möglichst ohne nächtliche Ruhestörung durch Polizei (“Hier können Sie nicht stehen”), Grundstücksbesitzer (“Sie stehen auf meinem Grundstück”) oder Betrunkene (“Oh wie lustig, ein Klettergerüst an dem man wackeln kann”).

Prinzipiell hat man vier Möglichkeiten mit seinem Wohnauto zu stehen:

  1. Campingplatz
  2. Stellplatz
  3. Wald und Wiesen
  4. mit dem Landvergnügen auf einem Bauernhof oder ähnlichem

Campingplätze sind superteuer und sowieso überhauptgarnicht mein Fall. Da sind genau die Leute die ich nicht treffen will, ab 6 Uhr morgens ist die Hölle los, ab 8 uhr abends soll man still sein, alles ist voller Leute und man steht eingepfercht zwischen 1000 Wohnmobilen… neeeeeee das mochte ich noch nie. Ich meine wenn man das Geld über hat, sich mit Leuten treffen und eine Woche bleiben will und einen schönen Campingplatz kennt dann kann das schon praktisch und ganz nett sein! Da gibts auch Duschen und Waschmaschinen und einen Bäcker und sowas wenn man das braucht…

Stellplätze können ganz okay sein, aber davon abgesehen, dass ich mit meinem google-freien Handy noch keine funktionierenden Apps gefunden habe, sind sie häufig teuer (5-15 Euro für einen hässlichen Schotterplatz an dem man Wasser zapfen kann… ansonsten gerne voller Wohnmobilappartmentkomplexe die wiederum voll mit seltsamen Menschen sind die nachts heimlich ihr Klo entsorgen und ansonsten nach stundenlanger Ausrichtung ihrer Satellitenschüsseln fernsehguckend im WoMo hocken und nix mit diesen subversiven Bulligestalten zu tun haben wollen… Also es gibt schon super Stellplätze und auf einem habe ich auch meine Bullifreunde Gerti und Sascha kennengelernt, aber ansonsten hatte ich nie viel Glück, vor allem mit den Toiletten die irgendwie meistens abgeschlossen sind…

 

Und deshalb halt lieber Wald und Wiesen, da braucht man kein Klo weil es Büsche gibt und nicht alles voller Leute ist. Entweder es ist dunkel und man kann machen was man will ohne das es jemand sieht oder man nimmt seinen Kackspaten, geht ein paar Schritte, gräbt sich ein Loch und gut ist.

Man steht alleine, hat Natur und Feld und Bäume oder was auch immer und kann die Ruhe genießen, sieht Rehe und Vögel und morgens steht der Nebel über den Feldern und alles ist schön. Stille genießen, Musik aufdrehen und übers Feld tanzen, Heulen, Lachen, Singen, sinnierend in die Ferne schauen, Freiheit fühlen und sich als kleines unbedeutendes Ding begreifen und sodann doch als Teil eines riesigen wunderschönen Universums glückselig in diesem verlieren… das geht wenn man alleine aber nicht einsam ohne direkten Kontakt zur Zivilisation steht.

Nachteil: Darf man dort stehen? Kommt jemand und schickt einen weg? Wen kann man fragen ob man darf? Am besten geht das abends kurz vor der Dämmerung und morgens geht es weiter, aber mehrere Tage stehen… das wird ohne Erlaubnis schwer, also eher Freiheit für eine Nacht, wenn man denn bis zur Dämmerung einen schönen Platz findet, das ist nämlich das nächste Problem.

Im Wald ist es auch per se schlecht, die Förster mögen keine Waldbesucher.

Das Schönste und Beste ist also – wie so oft – das Schwierigste. Ich würde gerne mal eine Woche (oder zwei oder drei) so richtig schön in der Einsamkeit stehen, so einen Platz muss ich noch finden!!!

Die einfachste und sehr schöne Option heißt “Landvergnügen”, ein Stellplatzführer für Bauernhöfe. Dort weiß man zwar vorher nie genau wo man landet, in der Regel kann man seine Terrasse aber Richtung schöne Aussicht ausrichten und hat hinter sich einen Hof mit Frischwasserversorgung, Tieren, Menschen die Kommunikationsfreudig aber auch zufrieden damit sind in Ruhe gelassen zu werden sowie im Besten Fall auch die Möglichkeit ein paar biologisch erzeugte Lebensmittel zu erstehen. Was genau das Landvergnügen ist kommt gleich als nächstes.

Soweit zu den groben Möglichkeiten der Übernachtung.

Neben meinem beschränkten Erfahrungsschatz – bin ja erst seit zwei Jahren dabei – habe ich das meiste Wissen von Anna und Matz, den mit Abstand erfahrendsten und kompetentesten Wildcampern überhaupt. Sie haben als Zweitwohnsitz einen James Cook, das tollste Wohnmobil überhaupt, und dabei noch so schlank! Bald bekommt er hoffentlich sein H-Kennzeichen. Da er eine Toilette hat stehen sie eigentlich überall, Matz hat ja gleich gesagt ich brauche ein Klo! Er betont es auch jedes mal wieder wenn wir uns sehen. Jedes einzelne mal!

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