Tadaaaaaa, zwei Tage bevor ich mich mit Bella am Tegernsee treffen möchte finde ich den perfekten Ort. Hier will ich sein. Es ist einfach wunderschön, hoch oben mit Blick über Felder und grüne Wiesen, Höfe und Kuhherden bis in die Berge.
Hühner laufen umher und inspizieren den Bus, von meiner Terasse aus kann ich beobachten wie ein frisch geborenes Kälbchen versucht die Milchbar zu finden, es kann sich kaum auf den Beinen halten. Als es endlich Erfolg hat sitze ich schon mit meinen neuen Nachbarn zusammen beim Essen. Ansonsten gibt es auf dem Hof noch Esel, Hunde und Katzen. Einige Familien wohnen hier und barfüßige Kinder laufen umher.
An den Gebäuden kann man
die bayrische Zimmermannskunst bewundern, alte Traktoren warten in der offenen Scheune auf den nächsten Einsatz, daneben steht ein Blockhaus. Mit Bauer B. habe ich ein interessantes Gespräch über die Landwirtschaft, hier wird ökologisch gearbeitet. In den Böden von den herkömmlichen Feldern sind die Pestizide durch den jahrelangen Einsatz viele Meter tief in die Erde eingedrungen. Auch bei der Tierhaltung ist keine positive Entwicklung geplant, die bayrische Regierung unterstützt die Bauern mit Zuschüssen – aber bitte Massentierhaltung. Wer einen Stall bauen möchte um seine 30 Kühe auch im Winter artgerecht halten zu können geht leer aus. Das macht mich wütend, eine Kuh nickt mir bestätigend zu und brüllt ein ausgedehntes “Muh” über die Felder, sie findet das auch nicht okay. Ein Esel macht eine Art Stepptanz und zwinkert mir zu.
Wieder auf meiner Terrasse schaue ich den Kühen beim Mittagsschlaf zu, sie liegen eng zusammengekuschelt. Unterbrochen von Sägearbeiten tönt Blasmusik über den Hof. Dann wird es auf einmal dunkel, ich schaue in den Himmel und sehe eine dunkle Wolke. Im nächsten Moment blitzt und donnert es. Ich flüchte ins Auto, Regen und Hagel donnern gegen mein Dachzelt.
10 Minuten später sitze ich wieder in der prallen Sonne, vor mir steht eine Kuh die mich anstarrt. Was sie wohl denkt? Sie dreht sich um und öffnet die Schleusen, da fliegt ein Greifvogel über den Hof und die Hühner flüchten gackernd unter den Traktor. Einen Kaffee in der Hand genieße ich die Idylle, lasse mich von Vogelgezwitscher und Schmetterlingsgeflatter so
einlullen das ich in einen harmonieindizierten Glückseligkeits-Wachkomazustand verfalle. Den nächsten bewussten Gedanken fasse ich, als durch die Wolken brechende Strahlen der Abendsonne das Panorama in einem goldenen Schimmer erstrahlen lassen. Ich bin mir mittlerweile sicher das ich mich mitten in einer Märchenbuch-Psychose befinde, dass kann nicht real sein. Der Kaffee ist kalt, ich habe hunger. Ein Huhn hat beschlossen das der Bus jetzt ihr zu Hause ist, aufgeregt versucht sie mir zu erklären, dass ich mir bitte ein anderes Bett suchen soll.