die bauernhofkommune

Auch Bella hat sich sofort in den schönsten Platz der Welt verliebt und so war der Tegernsee schnell vergessen und wir haben eine wunderschöne Woche mit Blick auf die Kuhhaufen verbracht. Zusammen mit dem Sonnenpaar haben wir eine Bauernhofkommune gegründet. Nach wie vor schlafe ich sehr viel, nachts ist es kalt und ich muss mich gut einkuscheln, morgens wache ich schweißgebadet auf, öffne die Tür, schmeiße die Decke weg und schlafe wieder ein. Wenn ich dann aus dem Bus krieche haben die anderen schon gefrühstückt und ich werde mit Kaffee empfangen, schöner kann ein Tag doch gar nicht losgehen. Nach ca. 2 Stunden bin ich dann langsam wach, wenn ich mich noch nicht gewaschen habe hole ich das nach, bissi Aufräumen, Abwaschen oder was auch immer, dann schnell wieder hinsetzen, mit den anderen Schnacken, sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, viele Ideen haben was ich von Bella noch alles lernen muss – besonders Wildkräuter bestimmen und Zeichnen – und natürlich Blogartikel schreiben. Während die Tage so an uns vorbeifliegen sind wir ganz selbstgenügsam zufrieden damit, einfach da zu sein. Das Sonnenpaar unternimmt viel und erkundet die Umgebung, ich als Kommuneneinsiedler und mittlerweile selbsternannter Hausmeisterin lausche ihren Geschichten von einer Welt außerhalb des Hofes mit Interesse, aber ohne jemals selber den Drang zu entwickeln mein neuentdecktes Entspannungsparadies zu verlassen.

Dann passiert es doch das ich den Hof verlasse, wir fahren zum See. Ich überlege zunächst eine kleine Meditation einzuschieben und dann zumindest mal mit den Füßen das Wasser zu betreten. Meditieren … das war doch das was ich immer drei mal am Tag machen wollte, hihi, naja fang ich halt jetzt damit an. Eine Stunde später tritt die Umgebung wieder langsam in mein Bewusstsein. Und mein Körper, aua, alles eingeschlafen, Sonnenbrand, die Sonne selber packt grad ihre Sachen um nach Hause zu gehen. Wir auch. Komme mir etwas unkommunikativ vor auf unserem Ausflug nur körperlich anwesend gewesen zu sein. Aber ich habe eine Stunde meditiert, wow! Ich bin ja sowas von bei mir. Abends gibt mir Bauer Bernhard den Tipp Ballistol auf den Sonnenbrand zu sprühen, natürlich besitze ich als ambitionierte Busbesitzerin Ballistol, aber auf den Sonnenbrand? Hmm, ach was solls – und echt: WOW – das Hilft wirklich! Der Wahnsinn, wahlweise kann man es übrigens auch gegen Muskelkater und Halsschmerzen einsetzen. Teufelszeug!

Abends wird in der Kommune gekocht indem wir alles zusammenschmeissen und zu üppigen Mahlzeiten verarbeiten, anschließend geht es feuchtfröhlich weiter, lokales Bier, Weinverköstigung, Slivovitz vs. Birnenlikör, bei Regen flüchten wir uns unter das Dach der Maschinenhalle, der kann uns nicht schrecken. Auch Bernhard können wir hier und da motivieren unseren abendlichen Kommunentreffen beizuwohnen. Dabei erfahren wir viel über die Landwirtschaft, sehr interessant und auch sehr traurig. Manchmal werden wir ganz still.

Traurig ist vor allem die Entwicklung, sie bedroht das Paradies was schon lange keines mehr ist. Gleichzeitig gibt sie auch Hoffnung, denn ökologisches Bewusstsein erwacht immer mehr, bei den Verbrauchern und bei den Bauern, letztere können sogar Hoffen durch eine Umstellung auf Bio ihre Existenz wieder sichern zu können und so dem gnadenlosen immer mehr-schneller-billiger Kreislauf ein wenig zu entfleuchen. Viele haben aber aufgegeben, entweder irgendwelche Ansprüche an die Qualität der eigenen Arbeit und Respektvollen Umgang mit Tieren und Natur zu stellen oder sie schließen ihre Betriebe. Es lohnt sich auch wirklich kaum, die Bäuerin Susanne sagt die Milchwirtschaft ist ein Teures Hobby – 1,50 Euro verdient sie damit die Stunde. Geld kann man noch mit Massentierhaltung machen, oder eben Bio – wenn man die Umstellung hinter sich hat.

Erschreckend! Gleichzeitig wissen wir das alle doch schon lange. Riesige Ställe, alles automatisiert, Kühe die niemals den Himmel sehen, niemals Gras von der Weide zupfen und ihr leben lang auf Gittern stehen oder liegen. Das ist die Milch, der Käse, der Joghurt den wir im Supermarkt kaufen.

Was kann man tun? – Lokale Biomilchprodukte kaufen. So einfach ist das 🙂

So traurig wir manchmal wurden, so schön und mutmachend war unsere Umgebung. In dem Wissen wie es regulär in der Landwirtschaft läuft ist es umso schöner zu sehen, wie es auch sein kann. Und so schieben wir die traurigen Gedanken wieder weg und erfreuen uns an den Gegebenheiten vor Ort.

Zwischendurch zeigt uns Susanne wie man Quark macht, wir genießen den Charme einer Eselwanderung und  das Sonnenpaar tanzt unter dem Regenbogen. Birgit schneidet mir die Haare, Holger holt Brötchen, Bella weiht ihren Omnia-Ofen ein, ich mache biologisch abbaubares Spülmittel … und täglich neue Folgen der Daily-Soap „Kühe live“.

Oh du glückliches Leben in der Bauernhofkommune.

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