Dann geht es los, mein neustes neues Leben. Zigeuner und Kommunenhausmeisterin habe ich ja jetzt schon ausprobiert, nun bin ich Magd.
Ich hab mir überlegt das meine Arbeitswoche Montag losgeht, mit einem grenzdebilen Lächeln auf den Lippen miste ich den Eselstall aus. Ach du holde körperliche Landarbeit, ich habe glaube ich nie in meinem Leben etwas schöneres gemacht. Gut, der Eselurin sticht ein wenig in der Nase, aber das kann die Empfindung umfassender Glückseligkeit nicht schmälern. Zuerst muss man die Eselkacke mit dem Schaber vom Boden lösen und zu Häufchen zusammenschieben. Hah das macht Spaß, huiiii – wums. Aua, der Schaber mit dem ich eben noch so dynamisch durch den Stall düse bohrt sich in meine Gedärme. Als ich durch die vielen Sternchen wieder etwas sehen kann und nach Lust schnappe wird mir klar das ich wohl niemals Kinder bekomme und nie wieder Trinken kann da die entsprechenden Organe wohl nur noch Matschepampe sind. Nun ja, wieder was gelernt, vorsicht vor Unebenheiten! Danach alles Fegen und die hübschen Haufen mit der Schaufel in die Schubkarre schichten. Alles auf den Misthaufen fahren, die Pipiplätze einstreuen (Esel mögen es gar nicht wenn das Pipi spritzt) und eine Heu-Stroh-Mischung in den Futtertrog schichten. Fertig, und der Tag ist noch nicht mal ganz um. Ich werde gelobt wie sauber der Stall ist und erfahre das es wohl etwas ungewöhnlich ist in einem Stall mit Kehrblech und Feger zu arbeiten. Jaja die Städter eben, immerhin haben die Leute was zu lachen ;-). Da werde ich schon zum Essen gerufen. Essen? Ich bekomme Essen? Ich hab doch noch gar nichts gemacht. Da sitze ich dann mit riesigem Stock im Arsch am Esstisch und bestaune die Kochkünste von Susanne. Sooo viele leckere Sachen und ich hab es noch gar nicht verdient mitzuessen. Nach dem Essen bekomme ich von Susanne einen Kaffee – sie weiß intuitiv was ein Schaaf braucht, was für eine Frau.
Langsam kommen neue Arbeiten neben dem Eselstall dazu, Fegen, Rasen mähen, Brennessel zupfen, Kinder durch die Gegend fahren, Spülmaschine ausräumen, Getränke holen … langsam bekomme ich einen Überblick über die täglich anfallenden Arbeiten und weiss was so zu tun ist. Highlight ist der Tag auf dem Rasenmäherauto, whoooohooooooo das wollte ich schon immer mal machen, es ist laut und die gemähten Rasenstücke kleben an meiner verschwitzten Haut, die Sonne knallt und ich bin voll auf Endorphinen. Da das Mähauto so laut ist fange ich an zu singen, lalalaaaaaaaa dadadaaaaaaa stundenlang fahre ich mähend und singend durch die Gegend – mei is des scheee. Abends spricht mich der Geier auf meinen Sirenengesang an – oh Gott das ham alle gehört? Und schon wieder was gelernt:
Nur weil man selber nichts hört bedeutet es nicht das man nicht gehört wird!
Als ich später ins Bett gehe brauche ich eine Decke weniger, ich bin immer noch knallrot und diesmal nicht von der Sonne. Davor verstopfe ich allerdings noch die Dusche. Obwohl mich Bernhard mit dem Feger abbürstet und ich schon vor dem Duschen die Klamotten wechsele richte ich ein Massaker im Badezimmer an. Alles voller Gras, ich bin voll mit Gras. Es einfach überall. Überall!
Liebe Grüße von Bernhard, du schreibst einfach super!
Und immer, wenn er hinter die Maschinenhalle kommt vermisst er den Appa und dich.
Appa und ich vermissen euch auch!!!