Es ist soweit, nach über drei Monaten führt mich mein Weg zurück nach Oberbayern, diesmal nicht als Magd sondern als Babysitter. Bernhard und Susanne sind in ihrem wohlverdienten Urlaub und ich rutsche auf abgefahrenen Winterreifen Richtung Daxlhof.
Die Rutscherei treibt meinen Adrenalinspiegel ziemlich nach oben und ich mache einen kleinen Zwischenstopp bei dem ich ein echt bayrisches Kesselfleischessen erlebe. Kesselfleisch gibt es traditionell immer wenn Wurst gemacht wird, es besteht aus gekochtem Bauch- und Kopffleisch sowie Innereien, die in einem Kessel mit siedendem Wasser zubereitet und anschließend gemeinsam verspeist werden. Bei uns gab es Bauchfleisch und Nierchen mit Sauerkraut und Brot, da ich seit einiger Zeit einen Hang zu abstrusen Fleischgerichten entwickelt habe bin ich ganz gespannt. Mein Favorit sind die Nierchen, sie schmecken ein bisschen wie Leber, nur das sie innen so komische Skulpturwucherungen haben, richtig lecker sieht das nicht aus, ich bestreue die Dinger mit Pfeffer und Salz und versuche nicht so genau hinzuschauen, eigentlich echt lecker, ich hole mir sogar einen Nachschlag. Dazu trinken wir lokal hergestelltes unglaublich leckeres Bier und dann ist es auf einmal doch recht spät und die meisten Gäste sind schon zu Hause. Es kommt wie es beim harten Kern nunmal kommen muss – Schnäpschen. Damit ist der nächste Tag besiegelt. Trotz latenter Kreislaufprobleme helfe ich ein Gerüst abzubauen und genieße den Schnee. Ich meine – Schnee! Wie krass ist das denn, den gibts ja kaum noch. Das muss ausgenutzt werden: Schneeengel, Schnee essen, Schneeballschlacht, Schlittenfahren und fruchtlose Versuche Kevins Maurerdekolleté zu treffen. Über Nacht taut dann alles und ich fahre ohne weitere Schlitterpartie bis zu Daxlhof.